Die aktiven Mitglieder von 'Klosterneuburg hilft' setzen ständig neue Ideen um. 'Geht nicht? Gibts nicht!' beweist sich ein ums andere Mal, und täglich gibt es Ereignisse, oder erreichte Ziele, die für die Helfer der Initiative Erfolge darstellen, und sie weiter motivieren.

Es werden hier nach und nach ein paar Geschichten erzählt: Aus den Bereichen Wohnraumbeschaffung, medizinische Begleitung und Bildung.


Wohnraumbeschaffung in Klosterneuburg

Immer mehr Asylwerber kommen in privaten Wohnungen und Häusern unter, derzeit sind es in Klosterneuburg bereits über 50 Menschen, die so eine neue Bleibe gefunden haben. Durch die gute Vernetzung der Quartiergeber, die sich gegenseitig unterstützen, sind immer mehr Bürger bereit, leerstehende Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Die Bürokratie ist überschaubar und in wenigen Stunden erledigt. Bei grundsätzlichem Interesse zu Informationen, lesen Sie die Seite über Wohnraum in Klosterneuburg oder kontaktieren uns.



Transfers aus dem Durchgangslager Klosterneuburg

Wo "Klosterneuburg hilft" vor einiger Zeit noch an bürokratische Grenzen stieß, organisierte ein jugendlicher Asylwerber für sich einen Platz in einer permanenten Unterkunft in Wien.
Neben seiner Zielstrebigkeit tritt er aber auch sehr engagiert für seine Freunde ein, und organisierte ein Vorstellungsgespräch für einen weiteren Jugendlichen in einem Haus der Diakonie - die Bemühungen waren erfolgreich, auch dieser Jugendliche hat sein Zimmer bereits bezogen. Für "Klosterneuburg hilft" war dieser Erfolg eine sehr freudige Überraschung und auch eine informative Erfahrung, an welchen Standorten es weitere Möglichkeiten gibt.


Spenden

Ausser den laufend in der Kaserne eingehenden Gewandspenden, laufen über private Netzwerke, die Facebook- oder Website viele andere Spendenaktionen, gleich, ob es sich um Geld, Zeit, oder praktische Dinge für den Alltag oder Möbel handelt.

Beispielsweise werden in Klosterneuburg bereits bei einigen Familien privat Flüchtlinge untergebracht. Diesbezügliche Aufrufe zu Sachspenden für die Wohnungen sind immer in kürzester Zeit sehr erfolgreich, die Bevölkerung beweist jedes Mal wieder allergrößte Hilfsbereitschaft.


Medizinische Begleitung

Ein Jugendlicher, der sein Bein verloren hat, zeigte einen unglaublichen Wandel im Laufe seiner Zeit in Klosterneuburg. Nachdem sie hörten, dass es diesen Jungen gibt, der sein Zimmer nicht verlässt, bemühten die Helfer sich, ihn in die Aktivitäten mit einzubeziehen und boten ihm auch Fahrdienste  an. Erst dadurch war es ihm möglich, sein Zimmer zu verlassen, am Deutschunterricht und am gemeinsamen Kulturprogramm teilzunehmen. Ein von ihm gezeichnetes Bild, mit dem er die Aussage formulierte, man solle nie die Hoffnung aufgeben, berührte alle sehr. Mit großer Freude können wir berichten, dass er fachmännische Betreuung durch das Reha Zentrum Weisser Hof erfuhr, mittlerweile eine gut sitzende Beinprothese trägt und relativ schmerzfrei ist. Mit der Hilfe unserer Initiative, allen voran hier Gabi Peissl, hat einen Platz in einer betreuten Unterkunft erhalten und übt weiterhin, mit seiner neuen Prothese zu gehen. Er wird auch in Wien weiter von uns betreut und ist glücklich, wieder gehen zu können.                                                                                                                                        Foto (c) Katrin Pointner

Die jungen Männer verlassen nicht ihre Familien, sie werden auf den Weg geschickt. So auch ein weiterer, 16jähriger Bub, der, nachdem er auf tragische Weise seine Eltern verloren hat, auf Wunsch der Geschwister die Flucht riskierte. Seine Arbeit als Autowäscher konnte er nicht mehr tun, da eine Explosion seinen Arm schwer verletzt hatte.
Im Dezember 2014 kommt er in Traiskirchen an, wenige Wochen später 'landet' er hier.
Nur zögerlich berichtet er von seinen Schmerzen und der dadurch bedingten Schlaflosigkeit. Im ersten Krankenhaus wird er mit Schmerztabletten abgefertigt, das zweite beginnt eine Schmerztherapie und verschreibt Schlaftabletten.
Der Initiative wird ein weiteres Krankenhaus empfohlen. Der dortige Primar ist entsetzt wie der Bub bisher abgefertigt wurde. Der Oberarzt ist ein Landsmann und klärt ausführlich über die möglichen Konsequenzen einer OP auf. Im Juni 2015 wurde die OP durchgeführt und der Junge bekam eine Ellenbogenprothese. Krankenhausbesuche von Freunden werden organisiert, eine Physiotherapeutin behandelte ihn bereits im Krankenhaus und noch heute. Er hat keine Schmerzen mehr, kann seinen Arm strecken und beugen, braucht aber noch sehr viel Training.
Während der Flucht lernte er etwas Englisch. Durch die starken Schmerzen konnte er sich beim Deutschlernen nur kurz konzentrieren, kam aber trotzdem immer zum Unterricht und probierte auch in den schlaflosen Nächten zu lernen.  In Klosterneuburg begleitete er inzwischen seine Freunde sowohl zur Rechtsberatung, als auch zu Artzterminen, und half bei Übersetzungen.
Er wurde Ende Juli in eine andere Betreuungsstelle transferiert. Nachdem es für seine medizinische Nachbetreuung wesentlich war, in der Umgebung von Wien zu bleiben, gelang es Traude Haller binnen kurzem, mit Hilfe der FSW Wien und der Caritas, ihn in einem betreuten Wohnheim unterzubringen. Mittlerweile gibt es eine Patin, die ihn in Zukunft regelmäßig begleiten wird.

Vor einigen Wochen kam eine Familie mit Kleinkind nach Klosterneuburg. Das Kind hat eine Gaumenspalte und sollte im Akh operiert werden. Sie sprechen weder Englisch noch Deutsch. Die Mutter bat uns um Hilfe, da sie nicht wusste, wie sie zum Krankenhaus kommen und sich dort verständigen könnte. Ein anderer Asylwerber, der nach nur 5 Monaten Aufenthalt bei uns so gut Deutsch spricht, dass er inzwischen dolmetschen kann, hat sie zum Spital begleitet. Ein OP Termin in der Woche darauf wurde vereinbart, und darauf aufmerksam gemacht, dass die OP nur stattfinden könne, wenn ein Dolmetscher mitgebracht würde.
Einer der ehrenamtlichen Lehrer der Initiative war füher bei 'Ärzte ohne Grenzen' und konnte einspringen, er hat die Familie ins Spital begleitet. Eine weitere, in einigen Initiativen engagierte Ärztin aus dem AKH, hat eine Dolmetscherin organisiert und das Mädchen konnte ohne Verzögerung operiert werden.
Eine Woche später stand eine weitere OP wegen einer Fehlstellung des Fußes an, diesmal im SMZ Ost. Auch das hat mit dem bestehenden Netzwerk hervorragend geklappt.
Inzwischen hat das Kind alles gut überstanden und ist auf dem Weg der Besserung. Die Eltern sind glücklich und sehr dankbar für die Unterstützung.

Dies sind wenige Beispiele von vielen. Ein große Anzahl Asylwerber benötigt Fahrten zu, und Übersetzer bei Arztbesuchen. Eine Gruppe Helfer übernimmt diese Aufgaben immer wieder, und hat erst dadurch einer Vielzahl Asylwerbern zu einer vernünftigen medizinischen und therapeutischen Behandlung, und somit einer besseren Lebensqualität verholfen. Mit dazu gehört auch, dass bei längeren Krankenhausaufenthalten ermöglicht wird, dass Freunde zu Besuch kommen. Vernetzungen mit Krankenhäusern und Ordinationen werden zahlreicher und effektiver, großer Dank gebührt hier freiwillig engagierten Ärzten und Übersetzern.


Lernen und Ausbildung

Eine gelungene Integration in Österreich setzt Deutschkenntnisse voraus. Von Beginn an war der Deutschunterreicht ein Kernthema der Initiative und mittlerweile unterrichten ca. 70 aktive Helfer an mehreren verschiedenen Terminen in der Woche unsere Sprache.

Ein Erfolgsbericht von Stephanie:


Ich bin grad sehr glücklich und stolz! vor 24h habe ich den Deutschkurs für Flüchtlinge publiziert und das internationale! Feedback ist unglaublich... Bis jetzt 1500 Leute erreicht, laufend auf Facebook geteilt - selbstverständlich rechtefrei und für die Nutzung am Handy optimiert. Großer Dank an Raffaela für die 100 Zeichnungen der Verben und an Laurin für die technische Unterstützung!
http://www.stephanieschmid.at/Deutschkurs/

 oder

www.deutsch.fit

23.09.2015: Eine weitere Erfolgsmeldung: Der Deutschkurs Klosterneuburg, den wir im Rahmen unseres Unterrichts entwickelt haben, ist soeben im Bildungsverlag Lemberger erschienen - selbstverständlich weiterhin gratis zum download.


Am 27.08.2015 wurden zwei junge Asylwerber aus der Magdeburg Kaserne nach erfolgreich abgelegten Prüfungen, zu den Hauptschulabschlußkursen in Wien aufgenommen. Sie werden am 7.9. starten und haben sich das nach ihrer tollen Leistung, in wenigen Monaten gut Deutsch zu lernen, sehr verdient.
Eine unglaublich tolle Leistung, nicht nur der beiden Schüler, sondern auch der ehrenamtlichen Lehrer!


Die Technische Universität Wien organisierte im Sommer 2015 zweiwöchige Programmierkurse speziell für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Es gelang "Klosterneuburg hilft" Plätze für zwei Jugendliche aus der Klosterneuburger Unterkunft zu ergattern. Der Kurs dauerte zwei Wochen und umfasste vier Stunden pro Tag. Am Ende des Kurses, den sie sehr interessant fanden, erhielten sie auch eine offizielle Teilnahmebestätigung. Auch im Herbst 2015 konnten wieder mehrere in Klosterneuburg untergebrachte Asylwerber am welcome.TU.Code teilnehmen.

 

 

Dank eines Projekts von OSSiRi's LernAkademie konnten ein Dutzend in Klosterneuburg untergebrachte Asylwerber einen A1-Deutschkurs in Wien besuchen und legten Ende Januar erfolgreich die ÖSD A1-Prüfung ab. Wir danken Herrn Ossiri Richard Gnaore für die Bereitstellung der Teilnehmerplätze.


 

Ab dem 29. Februar 2016 gibt es einen Brückenkurs in Klosterneuburg, der mit Unterricht in Deutsch, Mathematik und Englisch auf den Hauptschulabschluss vorbereitet. Auf Initiative von 'Klosterneuburg hilft', in Zusammenarbeit mit der VHS Klosterneuburg ist es gelungen, diesen Kurs auf die Beine zu stellen. Nach einem Aufnahmetest unter den ehrgeizigsten, motiviertesten Schülern geht es nun los!

 

Seit September 2015 konnte dank Spendengeldern für mehrere Personen auch die reguläre Teilnahme an A1 und A2 Deutschkursen an der VHS Klosterneuburg finanziert werden, die Teilnehmer besuchen die Fortsetzungskurse auch im Sommersemester.


 

Zwischendurch nicht unerwähnt bleiben darf, dass sich das erfolgreiche Engagement der Mitglieder offenbar weit herumgesprochen hat, denn unsere Initiative wurde in der Kategorie 'Humanitäres Engagement' zum Österreicher des Jahres 2015 nominiert.