ZUSAMMENFASSUNG
„FLUCHT UND TRAUMA“ 14.10.2015

Eine Traumatisierung ist ein Komplex mit Leitymptomen.

Intrusionen: wenn man immer wieder heimgesucht wird von Gedanken und Erinnerungen. Im schlimmsten Fall kommt es zu Flashbacks: Es ist dann nicht mehr unterscheidbar ‚wo ich gerade bin‘. Intrusionen sind so stark, dass Emotionen des ursprünglichen Traumas wieder aufleben.

 

Wie verhält man sich als Zeuge eines Flashbacks?

In diesem Augenblick ist es wichtig, dass sich der Betroffene orientieren kann. Es geht nicht darum, sofort etwas zu reparieren, sondern ein Gefühl von Sicherheit zu geben.
Übung dazu z.B.: „Zählen Sie 5 gelbe Gegenstände in diesem Raum auf.“ – dadurch muss sich der Betroffene in seiner Umgebung umsehen, um sich zu orientieren.

 

Antriggern:

Alle AsylwerberInnen versuchen, vorerst etwas auszusparen, ihre Geschichten ersteinmal in den Hintergrund zu rücken. Hat nun eine/r von ihnen einen Flashback, und erinnert sich an die Heimat, die Flucht etc., kann dieser Flashback auch ansteckend für andere sein.

 

Gibt es bestimmte Trigger bei Kriegsflüchtlingen?

Gerüche, Geräusche, bestimmte ähnliche Personen, Bewegungen etc.

Trigger sind sehr unberechenbar.

 

Schreckliche Erfahrungen werden oft in viele einzelne Teile gegliedert, um das Ereignis unwirksam zu machen. In der Therapie versucht man, diese Einzelteile wieder zusammenzusetzen, um dann mittels bestimmten Übungen, diese Erinnerungen bewusst auf die Seite legen zu können.

 

AsylwerberInnen haben häufig in den ersten paar Monaten, die sie in Österreich oder einem anderen europäischen Land sind, kaum Symptome die auf ein Trauma hinweisen.

Meist treten spezielle Symptome auf, sobald ein Ort der Sicherheit gegeben ist, wenn ein dauerhafter Wohnsitz vorhanden ist, wenn keine Abschiebung mehr droht etc.

Oft befinden sich Personen, die erst ein paar Monate in Österreich sind, noch im Schock.

 

Fremdbestimmung / Selbstbestimmung:

Eine Traumatisierung kann viele verschiedene Ursachen haben. Eine davon ist die mangelnde Selbstbestimmung, also wenn die Person nicht selbst über sich verfügen kann.

Die Flucht an sich ist fremdbestimmt.

Die Unterbringung in der Kaserne ist fremdbestimmt.

Die Zukunft ist noch zu einem großen Teil fremdbestimmt (Abschiebebescheide etc.).

Das Problem der mangelnden Selbstbestimmtheit, kann mit einem Gefühl des Kontrollverlusts einhergehen, und dieser sich in den einfachsten, alltäglichen Tätigkeiten äußern. Z.B.: beim Kochen brennt etwas an, das ist vorher noch nie passiert à wichtig als Beobachter ist: Schuldgefühl nehmen und somit zu entlasten. „Es ist normal, dass etwas einmal anbrennen kann.“

 

Auch die Erschütterung der Grundannahmen, ist eine der möglichen Ursachen für ein Trauma. (Grundannahmen z.B.: wir in Österreich gehen davon aus, dass wir tagsüber nicht überfallen werden.)

 

Das „Spalten der Gefühle“ ist ein wichtiger Teil einer Traumatisierung. Es kann vorkommen, dass ein/e AsylwerberIn die Geschichte der Flucht erzählt und dabei keine Emotionen zeigt.

Zeigt man sich als Zuhörer nun betroffen, kann der/die AsylwerberIn dies in den Augen des Gesprächspartners ablesen und somit selbst erkennen, wie schlimm die Situation eigentlich ist.

 

Vorurteil:

„Das Trauma hat eine bestimmte Ursache.“

Diese Aussage stimmt nicht. Jeder reagiert anders auf unterschiedliche Dinge. Nicht jeder, der etwas Schreckliches erlebt hat, muss ein Trauma entwickeln. Trotzdem ist dies bei Kriegsflüchtlingen häufig der Fall.
Wichtig ist hier, den Betroffenen nicht ins Trauma  zu stürzen mit Aussagen wie „Du bist so arm und hast sicher ein Trauma.“

Jeder entdeckt das mögliche Trauma mit einer anderen Geschwindigkeit.

 

Gespräch mit einer traumatisierten Person:

Wenn AsylwerberInnen ihre Geschichte erzählen, darf ich dann auch weiter nachfragen?

Stark traumatisierte Menschen, haben keine Kontrolle darüber, wann das Trauma zum Vorschein kommt.

Es ist daher nicht sehr hilfreich, wenn man weiter nachfragt. Wichtig in dieser Situation ist zwischenmenschliche Nähe. Das eigene Verhalten sollte an die betroffene Person angepasst werden.

Ist der/die AsylwerberIn von sich aus bereit zu erzählen, so ist es für den Helfer / Zuhörer besonders wichtig, Sicherheit zu vermitteln.

Die Struktur im Alltag spielt dabei eine wichtige Rolle. Mittels der Patenschaften, versuchen wir, den Menschen aus der Magdeburgkaserne einen Einblick in unseren Alltag und somit Struktur zu geben. Normalität ist hier das um und auf.